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Der Weinjahrgang 2008 im Burgenland

2008 - das Weinjahr der Gegensätze
Vergleicht man das Weinjahr 2008 mit dem vergangenen, so findet man viele Übereinstimmungen. Doch genauso gibt es zahlreiche Gegensätze zum Vorjahr. Gleich waren der gute Blüteverlauf, wie auch die Witterung über weite Teile. Für deutliche Unterschiede sorgten manche Wetterkapriolen, die letztendlich auch die Lesezeitpunkte in den einzelnen Weinbaugebieten beeinflussten. Die Hauptlese war Ende Oktober abgeschlossen, für Prädikatsweine dauerte sie jedoch spät bis in den Dezember an. Einige Eisweine wurden erst im Jänner 2009 geerntet.
Gute und qualitätsorientierte Weingartenarbeit machte sich heuer mehr als bezahlt, konnten doch dadurch die Trauben ungeachtet des heurigen Fäulnisdrucks gesund erhalten werden. So konnte man durchaus Ruhe bewahren und das gute Wetter im Oktober abwarten, um reife und gesunde Trauben in den Keller zu bringen. Sortentypische Fruchtigkeit paart sich heuer mit einem kernigen Säuregerüst, und einem angenehmen, nicht zu hohen Alkoholgehalt. Auch die Menge wird deutlich höher ausfallen als im Vorjahr, obwohl bereits letztes Jahr die Ernte über dem Durchschnitt lag.
Der Wetterverlauf 2008 im Burgenland
Das Jahr begann mit wenig Schnee und einem milden Winter – der Jänner war einer der wärmsten der Geschichte. Auch im Februar lagen die Lufttemperaturen im Burgenland sogar bei mehr als 3,5°C. Der März begann und endete warm, um die Osterzeit in der zweiten Monatshälfte gab es jedoch einen Winterrückfall. Die Niederschlagsmengen waren durchschnittlich bis leicht erhöht. Auch der April verlief temperaturmäßig ohne große Besonderheiten. Der milde Witterungsverlauf sorgte für einen guten und eher frühen Austrieb, ab Mitte April setzte eine schnelle und gleichmäßige Rebenentwicklung ein.
Ab Anfang Juni begannen die Niederschläge, die viel Laubarbeit nötig machten um Fäulnis zu vermeiden. Der Juli war durch zahlreiche Gewitter sehr feucht. Eisenstadt kam fast auf die dreifache Niederschlagsmenge. Leider waren dabei in fast allen Gebieten auch viele Hagelschauer zu verzeichnen. Der riesige Hagelschlag am 7. Juli ist vielleicht noch in besonderer Erinnerung.
Die Beeren begannen Anfang August weich zu werden. Durch die Feuchtigkeit kam es zu einer guten Rebversorgung, sodass die Mostinhaltsstoffe heuer sehr gute Voraussetzungen für die Gärung brachten. Wer die Nerven behielt und eine weitere physiologische Reife abwartete, hatte nach dem kühlen September einen relativ schönen Oktober zur Verfügung, um die Lese abzuschließen.
Gute Arbeit wurde im Weinjahr 2008 mit schöner frischer Frucht und einer angenehmen Säure belohnt. Die Rotweine sind gut gedeckt, die Blaufränkischen mit einer ausgeprägten Frucht und Würze. Auch Zweigelt und Pinot Noir präsentieren sich markant und fruchtbetont. Der moderate Alkoholgehalt wird den Jahrgang leicht trinkbar machen, und die höhere Erntemenge auch für eine entsprechende Verfügbarkeit der Weine sorgen.
Auch die Weißweine präsentieren sich sehr fruchtig, bestechen mit guter Sortenaromatik. Bei den Prädikatsweinen wurden vollreife Spätlesen und Auslesen geerntet. Die Botrytisentwicklung verlief überaus gut, die Voraussetzungen für einen sehr guten Süßweinjahrgang waren damit ebenfalls gegeben.
Statements der Winzer:

Statements Weinjahrgang 2008


Neusiedlersee

Feine Weißweine und aromatische Rotweinen -  Leo Hillinger, Jois
Die Vegetationsperiode war gekennzeichnet von schwierigen Wetterbedingungen. Es herrschte bis Mitte September sehr feuchtes Wetter mit warmen Temperaturen und heftigen Regenfällen, teils auch Hagel. Dadurch war der Befallsdruck für Peronospora und Oidium durchgehend sehr hoch.
Dem wurde mit einer intensiven Laubarbeit entgegengewirkt um die Traubenzone gut zu durchlüften. Gleichzeitig mussten zusätzlich zum Ausdünnen immer wieder befallene Trauben vor allem bei Blaufränkisch und Merlot entfernt werden.
Die Lese begann wegen des frühen Austriebs relativ zeitig am 05. September. Durch die kühle Witterung, die ab Mitte September begann, zog sich der weitere Reifeverlauf aber lange hin. Die Weinlese wurde immer wieder unterbrochen um die spätreifen Sorten wie Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon länger ausreifen zu lassen. Leider fiel dadurch ein Merlot-Weinberg in Rust am 16.10. einem Starenschwarm zum Opfer und 4000 kg beste Trauben waren in 20 Sekunden weg.
Trotz der schwierigen Bedingungen ist der 2008er ein guter Jahrgang mit einer sehr guten Säurestruktur bei den Weißweinen. Die Rotweine zeichnen sich durch eine intensive Farbe und feine Aromen aus.

Kein ganz großer, aber ein sehr guter Jahrgang - John Nittnaus, Gols
Viele Niederschläge während der ganzen Vegetationsperiode, großer Pilzdruck (Peronospora) – regenreiches, aber nicht wirklich kaltes Jahr. Ideales Wetter in der Reife-Endphase Anfang September (> 30°C), warm bis Ende Oktober, dazwischen Regen. Hohe Zuckergrad, viel Farbe, weiches Tannin bei den Rotweinen, gute Ausreifung auch bei Weißweinen – insgesamt kein großer, aber ein guter Jahrgang.

Paralellen zum Topjahrgang 2006 - Erich Scheiblhofer, Andau
Die über die Vegetationszeit gut verteilten Regenfälle waren hier in Andau auf unseren durchlässig und warmen Rotschotterböden nicht zu viel.  Im Gegenteil, sie trieben die Reife der Trauben samt PH-Wert und Zucker schnell nach oben, sodass der Erntebeginn bereits Ende August einsetzte.
Ein solider und schöner Herbst ermöglichte andererseits eine lange Erntezeit bis zum 20. Oktober. Dies bewirkte besonders bei den Rotweinen, wie beispielsweise Merlot, Cabernet Sauvignon und Zweigelt, eine volle physiologische Reife der Trauben. Die Jungweine präsentieren sich außergewöhnlich duftig, opulent und sehr stoffig mit auffallend mächtig reifen Tannin, welches Parallelen zum Topjahrgang 2006 zulässt.

Abwechslungsreiches Vegetationsjahr – Axel Stiegelmar, Gols
2008 war ein abwechslungsreiches Vegetationsjahr für die Weinreben in Gols. Die Blüte verlief Mitte Juni sehr zufriedenstellend. Die Knospen entwickelten sich ausgezeichnet. Ein kurzer Hagelschauer streifte die Golser Reben vom Süden. Die Weinrebe konnte sich gut erholen und ein Teil der Ausdünnung war mit dem Hagelschaden getan. Die heuer sehr intensive Grünarbeit wurde Anfang August beendet.
Zu Maria Himmelfahrt, am 15. August herrschte Ruhe vor dem Sturm. Gols wurde zum 2. Mal von einem Hagelschauer vom Nordosten heimgesucht. Die Trauben standen in voller Reife und das Glück folgte nach dem Hagelunwetter für die Golser Winzer. Das Wetter stellte auf Hochsommer um und wir hatten bis zur Lese traumhaftes Reifewetter. Die Hagelschäden konnten vertrocknen und eine zweite natürliche Ausdünnung erfolgte somit. Das soll nun heißen, wir können uns auf einen kleinen, aber ausgezeichneten Jahrgang freuen.

Gute, brave Weine – Josef Umathum, Frauenkirchen
Es war nicht wirklich ein Sommer für den Wein. Viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit, wenig Wind und vor allem zweimal starker Hagel hat den Reben enorm zugesetzt und einen Teil der Ernte vernichtet. Die biologische Bewirtschaftung unserer Weinreben war wirklich eine enorme Herausforderung, aber mit viel Mut und Arbeitseinsatz konnten wir die schwierige Situation meistern.
Der Jahrgang wird uns voraussichtlich gute, brave Weine bringen, die ganz großen Sachen werden aber sicher sehr rar sein. Aber da gibt es ja zum Glück noch schöne Weine aus den letzten Jahrgängen in unserem Keller, die auf Sie warten.

Fruchtig, elegant – Heinz Velich, Apetlon
Die Weißweine zeigen sich im Moment sehr fruchtbetont, mit einer eleganten Säure und langem Abgang.


Neusiedlersee Hügelland

„Den Fleißigen belohnt das Leben (oder so)“ – Kurt Feiler, Rust
Das Jahr 2008 war geprägt von einem Wechselspiel aus Regen und Sonne. Dadurch fanden alle Arten von Schadpilzen ideale Wachstumsvoraussetzungen. Wer daher nicht wirklich gezielt, genau und vor allem zeitgerecht die notwendigen Arbeiten im Weingarten erledig hat, bekam Probleme. Auch die Lese war heuer aufwendiger, da eine sehr strikte Selektion notwendig war. Wer aber alle seine Hausaufgaben richtig gemacht hat, den hat das Jahr mit tollen Qualitäten belohnt. Einziger Wehrmutstropfen aus Sicht eines Süßweinwinzers ist das sehr verhaltene Auftreten von Edelfäule.

Viel Arbeitsaufwand – Andi Kollwentz, Großhöflein
Der Jahrgang 2008 ist ein diffiziler Jahrgang. Ein Juli mit wenig Hitzetagen, dafür überdurchschnittlich viel Niederschlag. Ein guter August und ein wunderschöner September lassen uns für den heurigen Jahrgang das Beste hoffen.
Viel Arbeit im Weingarten war nötig um die Laubwand gesund zu erhalten. Hagel am 7. Juli verdreifachte den Aufwand der Trauben- und Laubpflege. Die angeschlagenen Trauben und Beeren mussten von Hand ausgeschnitten und ausgezupft werden. Wir erwarten einen sehr guten Jahrgang.

Arbeitsaufwendig, aber qualitativ sehr gut - Doris und Christian  Rainprecht, Oggau
Unsere Qualitätswein-Anlagen sind Gott sei Dank von Hagel verschont geblieben. Wir haben mit der Weißweinernte bereits am 10. September begonnen - gesunde Trauben mit entsprechendem Zuckergehalt und ausreichend Säure – ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis und auch die Menge ist deutlich größer als in den letzten Jahren. Beim Rotwein hat sich die aufwendige und genaue Laubarbeit und Mengenreduktion im Juli und August bezahlt gemacht: absolut gesundes, reifes Traubenmaterial bei Merlot und Blaufränkisch, beim Zweigelt mussten wir einzelne faule Beeren entfernen, der Cabernet Sauvignon hat eine akzeptable Reife erreicht – leider aber nicht so wie in den letzten Jahren. Erntemenge aufgrund der Reduktion im Sommer sowieso konstant.

 

Charaktervolle und vielschichtige Weine – Ernst Triebaumer, Rust
Nach einem sehr regenreichen Sommer mit hohem Pilzdruck stellt das Lesegut an die Erntemannschaft einen außergewöhnlichen Sortieranspruch. Die Betriebe die diese Arbeit auf sich nahmen, wurden mit optimal, lang ausgereiften Trauben belohnt, aus denen sich charaktervolle, vielschichtige Weiß- und Rotweine entwickeln.


Mittelburgenland

Tolles Jahr für Blaufränkisch - Daniel Bauer-Pöltl, Unterpetersdorf
Nach den turbulenten Sommermonaten, in welchen sich regelmäßig Regen mit warmer Luft mischte, glaubten wir eher an ein gutes Pilzjahr als an ein Jahr mit hoher Weinqualität. Auch der Hagel ließ die erwatete Menge, und damit auch den Wert der erbrachten Arbeit sinken. Dass ich heute trotzdem überaus glücklich über das Weinjahr 2008 bin, liegt am stabilen Wetter im Herbst. Vor allem der Blaufränkisch konnte sehr lange am Stock verweilen und so zur optimalen Reife gebracht werden. Für diese Sorte sehe ich das Jahr als eines der größten der letzten Jahre.

Geringer Ertrag – Paul Kerschbaum, Horitschon
Der Jahrgang 2008 war betreffend Pflanzenschutz ein sehr schwieriger. Der Pernospora setzte den Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon stark zu. Die Guten Winzer wussten damit jedoch richtig umzugehen. Das Mittelburgenland wurde im Juli von zahlreichen Hagelschäden nicht verschont. Große Ernteeinbussen in den Rieden Gfanger und Hochäcker. Der Ertrag ist sehr gering, die Qualität ähnlich dem Jahr 2004. Sehr fruchtbetonte Weine – bei den Sorten Blaufränkisch und Zweigelt wird aufgrund des langsamen Reifefortschrittes ein kräftiges Tannin prognostiziert.


Südburgenland

Vergleichbar mit den Jahrgängen 1999 und 2002 – Reinhold Krutzler, Deutsch Schützen
Der Sommer war eher feucht und nicht zu heiß. Wir hatten dann mit Ende August bis Anfang September ein Traumwetter. Mitte September war es etwas kühler, aber nicht zu feucht. Ende September bis zum Ende der Lese hatten wir trockenes Wetter. Die Trauben waren sehr gesund.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Jahrgang. Dunkle Farbe, schöne Frucht, sehr gute Gerbstoffe und Säure. Der Jahrgang wird mit den Jahrgängen 2002 und 1999 verglichen. Also ein sehr, sehr guter Jahrgang im Südburgenland.

 

 

 

 


 

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